Naturparadies Saarburg
Vom Standortübungsplatz zum Naturparadies
Der ehemalige Standortübungsplatz bei Saarburg bietet eine besondere Artenvielfalt. Taurusrinder und Konik-Pferde halten die Landschaft offen. - Foto: Inés Noll
Der ehemalige Standortübungsplatz Saarburg-Beurig liegt südöstlich der Stadt Saarburg in Rheinland-Pfalz auf einer offenen, leicht geneigten Hochfläche. Heute ist die Fläche ein bedeutender Rückzugsraum für bedrohte Arten. Sie gehört zum rund 2.249 Hektar großen FFH-Gebiet „Serriger Bachtal und Leuk und Saar“.
Auf dem Gelände findet sich ein vielfältiges Mosaik aus Mähwiesen, feuchten Senken mit Kleingewässern, Gehölzgruppen und ausgedehnten Eichen-Hainbuchenwäldern. Die besondere Artenvielfalt geht auch auf die frühere militärische Nutzung zurück. Bis 2010 nutzten französische Streitkräfte das Gebiet. Noch heute zeugen zwei breite Panzerstraßen von dieser Vergangenheit. So blieben viele Flächen von intensiver Landwirtschaft, Düngung und Pestiziden verschont. Zusammen mit der fehlenden Zerschneidung durch Straßen oder Bebauung entstand eine abwechslungsreiche Landschaft. Ein rund vier Kilometer langer Rundweg ermöglicht Besucherinnen und Besuchern, die unterschiedlichen Lebensräume zu erleben.
Artenreiche Wälder und Offene Landschaften
Besonders wertvoll sind die alten Laubmischwälder an den Steilhängen der Bachtäler. Hier finden sogenannte Urwaldreliktarten geeignete Bedingungen. Das sind Arten, die auf alte, strukturreiche und weitgehend ungestörte Wälder angewiesen sind. Dazu zählen der Juchtenkäfer, der Eichenbock und der seltene Veilchenblaue Wurzelhalsschnellkäfer. Diese Insekten profitieren von alten Bäumen, Totholz und natürlichen Alterungsprozessen.
Auch die offenen Bereiche bieten zahlreichen bedrohten Arten Lebensraum. Auf Wiesen und Weideflächen brüten unter anderem Neuntöter, Grünspecht und Habicht. In temporären Kleingewässern findet die Gelbbauchunke geeignete Laichplätze. Zwei ehemalige Westwall-Stollen im Süden des Gebiets dienen verschiedenen Fledermausarten als Winterquartier, darunter der Großen Hufeisennase. Darüber hinaus sind Wildkatze, Feldhase und Rotwild regelmäßig anzutreffen. Die nährstoffarmen Standorte fördern außerdem eine charakteristische Pflanzenwelt mit Arten wie Blutwurz und Rauer Nelke.
NABU-Stiftung vor Ort
Die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe übernahm 2017 und 2018 insgesamt 138 Hektar des ehemaligen Standortübungsplatzes. Davon stammen 137 Hektar aus dem bundeseigenen Flächenpool „Nationales Naturerbe“. Ziel ist es, die vielfältige Landschaft dauerhaft zu bewahren und natürliche Prozesse zu fördern. Die naturnahen Laubmischwälder werden deshalb nicht mehr forstlich genutzt, sondern ihrer natürlichen Entwicklung überlassen.
Um die offenen Lebensräume zu erhalten, startete die NABU-Stiftung 2020 gemeinsam mit dem NABU Rheinland-Pfalz ein ganzjähriges Beweidungsprojekt. Auf etwa 63 Hektar halten Taurusrinder und Konik-Pferde die Flächen frei von Verbuschung. So entsteht eine abwechslungsreiche, halboffene Weidelandschaft mit Gehölzinseln und sonnigen Kleingewässern. Der nahegelegene Integrationsbetrieb „Hofgut Serrig“ übernimmt das Beweidungsmanagement.
Weitere Naturparadiese
In Rheinland-Pfalz ist die NABU-Stiftung auf den drei ehemaligen Militärflächen bei Koblenz, Westerburg sowie Saarburg aktiv. Außerdem bewahrt sie die Westerwälder Seenplatte und den Laubacher Wald im hessischen. Mehr →
