Naturparadiese in Niedersachsen
Der Heerter See

Der 160 Hektar große Heerter See in Niedersachsen wurde in den 50er Jahren zur Industrienutzung angelegt. Heute bietet er zahlreichen Tieren einen geschützten Lebensraum. In der flachen Uferzone finden Watvögel reichlich Nahrung, während die ausgedehnten Schilfbereiche ideale Nistplätze bieten. Rund 115 Arten, darunter Fischadler, Flussuferläufer, Trauerseeschwalben und Kraniche, wurden hier bereits gesichtet.
Mit Hilfe von Spenden kaufte die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe 2007 den Heerter See und die angrenzenden Wälder – insgesamt 320 Hektar – und bewahrt sie dauerhaft für die Natur. Mit der NABU-Gruppe Salzgitter fand die Stiftung einen erfahrenen Partner vor Ort, der das Gebiet seit Jahren betreut.
Die Brutvogelbestände erholen sich
2008 überließen wir eine durch Windwurf und Insektenfraß kahl gewordene Fichtenfläche der natürlichen Wiederbewaldung. Schnell wuchs dort ein dichter Jungwald aus verschiedenen Laubbaumarten heran, der seither eine neue Waldgeneration bildet. Diese positive Entwicklung zeigt sich auch in den aktuellen Brutvogelzählungen.
Allerdings gefährdeten hohe Bestände von Wildschweinen und anderen Beutegreifern den Bruterfolg von Schilfbewohnern wie dem Blaukehlchen. Um sie besser zu schützen, führte die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe 2016 ein neues Jagdkonzept ein. Eine Brutvogelzählung 2018 ergab, dass bis zu 85 Vogelarten dort brüten und sich einige Bestände deutlich erholt haben. So verdoppelte sich der Bestand an Haubentauchern auf sechs Brutpaare. Auch Bartmeise, Rohrschwirl und Wasserralle wurden wieder häufiger gesichtet. Das Blaukehlchen zog mit elf Brutrevieren so viele Jungvögel wie nie zuvor auf. In den Stiftungswäldern erholten sich zudem die Bestände einiger Waldvogelarten wie des Mittelspechts. Bei der Brutvogelzählung 2020 zählten die Experten über 90 Brutvogelarten in diesem Naturparadies. Die jüngste Zählung bestätigt den Aufwärtstrend: Die Bestände des Mittelspechts sowie anderer Specht- und Waldvogelarten steigen weiter. Diese Entwicklung unterstreicht die naturnahe Erholung der Stiftungswälder am Heerter See.
NABU-Stiftung aktiv
Eine der ersten Maßnahmen der NABU-Stiftung nach dem Kauf war, den Damm am Ufer für Autos zu sperren. Ohne den Autoverkehr erholt sich die Grasnarbe langsam, wächst zu und bildet eine lebende Schutzschicht gegen Schwermetalle, die im Staub des Weges stecken könnten. Mehr Ruhe bringt auch ein Graben, der künftig den Mitteldamm im Schutzgebiet unterbricht und ein Durchqueren unmöglich macht. Die beiden Beobachtungstürme am Ufer wurden sicherer gestaltet, und die jagdlichen Schneisen im breiten Schilfgürtel so verändert, dass sie den sensiblen Uferbereich nicht mehr stören.
2011 befreiten neun Jugendliche und Kinder mit zwei Betreuern beim Umwelttag der Jugendfeuerwehren den Treppenaufgang an der Heerter Seite des Dammes von Pflanzen und abgerutschtem Boden. Sie sammelten auch Müll in der Umgebung. Die Aktion fand in Zusammenarbeit mit dem NABU Salzgitter und in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde statt.
2015 reparierten Aktive des NABU Salzgitter den alten Wellenbrecher. Das Bauwerk aus Baumstämmen und Zweigen schützt einen kahlen Uferabschnitt vor starkem Wellenschlag, der den Damm an der Nordseite des Heerter Sees sichert. Morsche Weidenzweige wurden ersetzt. Das Material dafür lieferte die Naturschutzbehörde, die die Zweige großzügig bereitstellte. Nach der Reparatur steckten die Helfer die übrigen Weidenzweige ins Ufer. Denn Weidenzweige wurzeln sehr schnell und können so zusätzlich das Ufer sichern und naturnahe Strukturen schaffen.
Sprengungen am Heerter See
Im Winter 2009 schuf die NABU-Stiftung auf ungewöhnliche Weise zwei neue Kleingewässer im Uferschilf des Heerter Sees. Mit gezielten Sprengungen wollte sie bedrohten Arten wie der europaweit geschützten Wechselkröte neue Lebensräume bieten. Zuvor waren am Heerter See zahlreiche Gräben und kleine Gewässer verlandet. Frösche, Kröten, Libellen und Kleinfische, die dort lebten, verschwanden mit den Gewässern und wichen dem geschlossenen Schilfbestand. Selbst die Große Rohrdommel, die ausgedehnte Altschilfbestände als Brutplatz benötigt, war verschwunden. Für die Aufzucht ihrer Jungen braucht sie den Übergang vom dichten Schilf zu offenen, nahrungsreichen Gewässern. Das Ausbaggern der Gewässer hätte jedoch einen enormen Aufwand erfordert, da Bagger und Lastwagen im schlammigen Untergrund versunken wären. Deshalb übernahm das Technische Hilfswerk die Aufgabe. Es nutzte die Sprengungen zugleich als Übung und zur Ausbildung seiner Sprengmeister.
Heerter See
Im Steckbrief erfahren Sie mehr über diesen nährstoffarmen See in der Nähe von Salzgitter.











