Naturparadiese in Nordrhein-Westfalen
Die Davert

Die Davert ist eines der wertvollsten Waldgebiete im Münsterland und bildet gemeinsam mit der angrenzenden Hohen Ward das größte zusammenhängende Waldgebiet der Region. Die waldreiche Kulturlandschaft südlich von Münster ist wegen ihrer außergewöhnlichen Artenvielfalt als Vogel- und Naturschutzgebiet ausgewiesen. Ihr feuchter, oft naturnaher Wald wird von alten Eichen, Hainbuchen und eindrucksvollen Flatterulmen geprägt, deren ausgedehnte Bestände dem Gebiet einen beinahe tropischen Charakter verleihen.
Ein Wald mit großer Artenvielfalt
Noch um 1800 war die Davert eine sumpfige, kaum erschlossene Moor- und Heidelandschaft, bevor Aufforstungen und Entwässerungsmaßnahmen das heutige Landschaftsbild formten. Heute umfasst sie rund 2.500 Hektar Waldfläche und gilt als eines der bedeutendsten Eichen-Hainbuchenwald-Gebiete Nordwestdeutschlands.
Besonders hervorzuheben ist die große Vielfalt an Waldlebensräumen: frühlingsbunte Eichen-Hainbuchenwälder wechseln sich mit krautarmen Eichen-Buchenwäldern ab, dazwischen liegen sumpfige Erlen- und Birkenbrüche sowie zahlreiche Feuchtwiesen. Diese kleinräumige Verzahnung schafft ideale Bedingungen für eine beeindruckende Artenfülle. Die Davert ist auch als „Schmetterlingswald“ bekannt, denn hier leben seltene Arten wie der Kleine Eisvogel, der Trauermantel, der Schillerfalter oder der Brombeerzipfelfalter. Die alten Eichen mit ihrer rauen Borke und ihrem hohen Totholzanteil bieten zudem ideale Lebensräume für Spechte. Der Mittelspecht hat hier mit über 100 Brutpaaren sein größtes Vorkommen in Nordrhein-Westfalen, und auch Bunt-, Schwarz-, Klein- und Grünspecht sind regelmäßig anzutreffen. Das reichhaltige Höhlenangebot kommt wiederum Arten wie dem Trauerschnäpper zugute.
Auch für Fledermäuse ist die Davert ein bedeutender Lebensraum. Unter der abplatzenden Rinde abgestorbener Eichen oder in alten Spechthöhlen finden Arten wie der Kleine Abendsegler oder die Fransenfledermaus geeignete Quartiere. Insgesamt wurden bereits neun Fledermausarten nachgewiesen. Über den Baumkronen kreisen Bussarde und Habichte, und mit etwas Glück lässt sich sogar der seltene Wespenbussard beobachten. An den Gewässern und Gräben zeigt sich gelegentlich der farbenprächtige Eisvogel.
NABU-Stiftung aktiv
Um diese wertvollen Lebensräume dauerhaft zu sichern, erwarb die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe Ende 2016 mit Unterstützung von Spenderinnen und Spendern 24 Hektar alten Wald in der Davert. Die Flächen wurden vollständig aus der forstlichen Nutzung genommen, sodass sich dort ungestört „Urwälder von morgen“ entwickeln können. Geplante Maßnahmen wie das Verschließen von Entwässerungsgräben geben den Wäldern wieder mehr Feuchtigkeit zurück. Die natürliche Waldverjüngung wird unter anderem durch den Eichelhäher unterstützt, der als „Pflanzmeister“ Eicheln vergräbt und so neue Eichen heranwachsen lässt. Gemeinsam mit der NABU-Naturschutzstation Münsterland arbeitet die Stiftung daran, die Artenvielfalt zu erhalten und die Davert langfristig zu einem stabilen, naturnahen Waldökosystem zu entwickeln.
Davert
In diesem Steckbrief erfahren Sie mehr über diesen Urwald von morgen im Münsterland.

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