Themen und Projekte

Artenparadies Krautsand

Die ehemalige Elbinsel Krautsand ist Heimat für seltene Tiere und Pflanzen der Tideelbe. Im Rahmen eines Naturschutzgroßprojektes engagieren wir uns in den kommenden Jahren gemeinsam mit dem WWF Deutschland für den Schutz dieser wertvollen Lebensräume.
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Ästuartypsiche Lebensräume in der Elbaue
Durch den Einfluss der Gezeiten entstehen wertvolle Lebensräume auf Krautsand.© Foto: © WWF Deutschland/Claudi Nir

Die Tideelbe ist die größte von Ebbe und Flut beeinflusste Flussmündung in Deutschland und steht weitgehend unter europäischem Naturschutz. Im Süßwasserbereich der Tideelbe, an der Grenze zur Brackwasserzone, liegt die ehemalige Elbinsel Krautsand im Landkreis Stade, die nach der Sturmflut 1976 eingedeicht wurde. Sie wird durchzogen von Wasserläufen sowie eingerahmt von der Wischhafener Süderelbe und dem Ruthenstrom, zwei Nebenarmen der Tideelbe. Seltene Lebensräume wie Süßwasserwatt mit Prielen und Flachwasserzonen, Süßwasser-Tideröhrichte und Tide-Auwälder zeichnen das Gebiet aus.

Heimat für 150 gefährdete Arten

Ästuare wie die Tideelbe - also eine von Ebbe und Flut geprägte Flussmündung - sind Gebiete mit ständig wechselnden Lebensbedingungen. An der Tideelbe, dort wo der Elbstrom ins Meer mündet, ändert die Tide zweimal täglich die Fließrichtung und den Wasserstand. Mit jeder Flut dringt Salzwasser in den Fluss ein. Süß- und Salzwasser mischen sich dann und eine Brackwasserzone entsteht. Der Einfluss der Gezeiten lässt wertvolle Lebensräume entstehen. Wat-, Wasser- und Wiesenvögel brüten hier. In den Flachwasserzonen laichen seltene Fischarten. Viele Insekten leben im Röhricht, das auch zahlreichen gefährdeten Vogelarten Brutmöglichkeiten bietet. Und etliche Arten fühlen sich nur unter den extremen Bedingungen wohl, wie die Gezeiten sie hier schaffen. So gedeiht der Schierlings-Wasserfenchel nirgends sonst auf der Welt als im Süßwasserbereich des Elb-Ästuars. 
An und auf Krautsand kommen über 150 gefährdete Arten vor, darunter sind Neunauge und Aal, Kiebitz und Uferschnepfe. 52 von ihnen, wie Rohrweihe und Wachtelkönig, sind europaweit geschützt. Krautsand ist mit seinen ausgedehnten Marschengrünländereien zudem wichtiges Brut- und Rastgebiet für Gänse, Brachvögel, Goldregenpfeifer und andere Zugvögel.

Bedrohte Vielfalt

Die seltenen an die Tideelbe angepassten Arten sind keineswegs in Sicherheit. Denn die Nutzung des Ästuars durch den Menschen hat ihren Lebensraum stark verändert. Durch Eindeichungen gingen 90 Prozent der Überflutungsflächen verloren, Elbnebenarme sowie Zuflüsse wurden abgetrennt und die Fahrrinne wird für die Schifffahrt derzeit zum neunten Mal vertieft. Dies verändert die Strömungsverhältnisse und Wasserstände. Starker Wellenschlag schädigt die Watt-, Röhricht- und Auwaldflächen am Hauptstrom. Flachwassergebiete und Nebenelben wie die Wischhafener Süderelbe verschlicken. Und der Süßwasserbereich versalzt immer mehr. Viele ästuartypische Tiere und Pflanzen sind bereits stark gefährdet.

Naturschutzgroßprojekt Krautsand

In Partnerschaft mit dem Projektträger WWF Deutschland wollen wir die selten gewordenen Lebensräume an der Tideelbe nachhaltig schützen und neue schaffen. Deshalb haben der WWF und die NABU-Stiftung im Herbst 2020 ein Naturschutzgroßprojekt für Krautsand gestartet. So sollen abgetrennte Gewässer wieder an das Tidegeschehen der Elbe angeschlossen sowie ästuartypische Ufer und neue Gewässer angelegt werden, um Nahrungs-, Aufwuchs- und Laichgebiete für Fische wie Finte und Schlammpeitzger zu schaffen. Auch Arten wie Rohrdommel und Schierlings-Wasserfenchel wollen wir auf Krautsand wieder neuen Lebensraum schenken. Bestehende und neu zu schaffende Grünländer wollen wir als Lebensraum von Wiesenvögeln und als Vogelrasthabitat aufwerten. Auf der Seite des WWF gibt es weitere Informationen über das Projekt.

Das Projekt ist aufgeteilt in zwei Teilprojekte: In Projekt I (2020-2023) wurde ein Pflege- und Entwicklungsplan erstellt. In Projekt II (2026-2034) werden die Maßnahmen umgesetzt. Als NABU-Stiftung übernehmen wir die hierfür notwendigen Flächenkäufe und die Bewirtschaftung der Grünlandflächen in dem 2.805 Hektar großen Projektgebiet.

Ihr Ansprechpartner

Christian Unselt
Christian Unselt
030 - 235 939 151
Christian.Unselt@NABU.de

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