Naturparadiese in Sachsen-Anhalt
Der Lehmausstich in der Elster-Luppe-Aue

Die Laichgewässer bei Meuschau in Sachsen-Anhalt sind von besonderer Bedeutung für das Überleben der durch die FFH-Richtlinie europaweit geschützten Rotbauchunken, denn das Vorkommen in den alten Tongruben ist ihr aktuell letzter Nachweisort im südlichen Sachsen-Anhalt.
Rotbauchunken fühlen sich besonders in klaren und von der Sonne beschienen Flachgewässern wohl, in denen sie im Sommer in Ruhe ihren Laich ablegen können. Viele Kleingewässer werden jedoch zugeschüttet oder im Zuge einer intensiven Landwirtschaft zunehmend mit Pestiziden belastet. Auch in der Elster-Luppe-Aue wuchsen nach der Stilllegung der Lehmgruben in den 1950er Jahren die für die Rotbauchunken lebensnotwendigen Gewässer zu und verlandeten zunehmend. Deshalb bewahrt die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe zusammen mit dem NABU-Kreisverband Merseburg-Querfurt ehemalige Tongruben.
Rettung für die Feuerkröte
Die Rotbauchunke zählt mit 45 bis 50 Millimetern Größe zu den kleinsten mitteleuropäischen Froschlurchen. Während die Oberseite dunkel und warzig ist, bilden die orangeroten Flecken auf der Unterseite ihres Körpers, einem Fingerabdruck gleich, ein individuelles Muster. Diese Färbung dient als Warntracht, da die Unke bei Gefahr ihre Gliedmaße so nach oben biegt, dass die grell gefärbte Unterseite ihres Körpers sichtbar wird. Aufgrund der Färbung werden die Unken auch Feuerkröte genannt. Früher waren ihre Rufe von April bis August vielerorts zu hören. Doch durch Flussbegradigungen und Gewässerverfüllungen gibt es heute kaum noch natürlich entstandene Tümpel, die die Rotbauchunke als Laichgewässer nutzen kann. Der Bestand ist in Deutschland stark gefährdet. In vielen Gegenden ist die Art schon ausgestorben. Die Tiere weichen deshalb auch auf Menschen geschaffene Lebensräume wie Ton- oder Kiesgruben aus.
Aktiv vor Ort
Unter der Regie des NABU-Kreisverbandes Merseburg Querfurt, der sich seit über 15 Jahren für die Rotbauchunken in der Elster-Luppe- und Saaleaue einsetzt, wurden zwölf Laichgewässer in mehreren Stufen wieder hergestellt. Wegen der Grundwasserabsenkung durch den Braunkohleabbau in Merseburg-Ost gibt es in der Region kaum natürliche Kleingewässer. Auch die trockenen Sommer der letzten Jahre hinterließen ihre Spuren: Nur wenige Tümpel im Lehmausstich bei Meuschau führten noch Wasser. Zudem wuchsen die Gewässer ohne Pflege mit Schilf zu. Ehrenamtliche des NABU schufen 2016, 2020 und 2024 bessere Lebensbedingungen für die Rotbauchunken, indem sie Uferbereiche von Schilf und Gehölzen befreiten. Das Mahdgut und Holz stapelten sie am Rand des Schutzgebiets, wo es anderen Tieren als Versteck dient. So bleibt der Lebensraum der Rotbauchunke erhalten, deren Nachwuchs nur in gut besonnten Gewässern gedeiht.
Auch wenn es Jahre dauern wird, bis sich der Bestand erholt, gibt es wieder Hoffnung für die Rotbauchunken im Flächennaturdenkmal "Lehmausstich nördlich der Leipziger Chaussee". Von den Sanierungsarbeiten profitieren nicht nur die Unken, sondern auch der europaweit geschützte Moorfrosch, der Kammmolch sowie bedrohte Libellenarten und Brutvögel. Sogar der lange verschwundene Zwergtaucher kehrt in das neu geschaffene Naturparadies zurück. Möglich wurden die Maßnahmen und der Flächenkauf durch Spenden, Sponsoren und Fördermittel.










