Naturparadiese in Sachsen-Anhalt
Die Franzigmark

Die Franzigmark vereint seltene Steppenrasen, feuchte Senken, naturnahe Eichenmischwälder und die für die Region typischen Porphyrfelsen. Diese Vielfalt macht das Gebiet zu einem der wertvollsten Naturparadiese Sachsen-Anhalts. Über Jahrhunderte grasten hier Schafe und Ziegen und prägten die artenreiche Offenlandschaft.
Im 20. Jahrhundert wurde die Franzigmark als Truppenübungsplatz genutzt. Da das Gelände nicht landwirtschaftlich bewirtschaftet wurde, blieb es vor dem Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln verschont. Als die Bundeswehr die Fläche 2005 aufgab, drohte der wertvolle Artenreichtum durch fehlende Nutzung verloren zu gehen. Um das Naturparadies dauerhaft zu bewahren, übernahm die NABU‑Stiftung Nationales Naturerbe bis 2014 rund 238 Hektar des Geländes vom Bund.
Ein Rückzugsort für Steppenblumen und Singvögel
In der Franzigmark finden viele schützenswerte Pflanzenarten ein Zuhause. Im Frühjahr blühen seltene Steppenblumen wie das Zierliche Brillenschötchen, das Frühlings-Adonisröschen und der Stengellose Tragant auf den Wiesenhängen. Auch heimische Orchideen wie das Kleine Knabenkraut gedeihen hier. Diese lichtliebenden, trockenheitsresistenten Pflanzen sind durch den Verlust ihrer Lebensräume bundesweit bedroht.
Im Sommer verwandeln Wiesen-Salbei, Astlose Graslilie und andere Wiesenblumen die ehemaligen Militärflächen in einen farbenprächtigen Blütenteppich. Davon profitieren zahlreiche Insekten: Wildbienen, Hummeln, Schmetterlinge, Schwebfliegen und Wanzen laben sich an Nektar und Pflanzensaft. Auf den mageren Trockenrasen leben Grillen, Käfer und Feldheuschrecken, darunter wärmeliebende Arten wie die Blauflügelige Ödlandschrecke. Über den Wiesen gaukeln unzählige Schmetterlinge, etwa der Himmelblaue Bläuling.
Das insektenreiche Grasland bietet auch Wiesenvögeln ideale Lebensräume. Braunkehlchen, Feldlerche und Grauammer ziehen hier gut versteckt ihre Jungen auf. Diese früher weit verbreiteten Arten finden durch die intensive Landwirtschaft immer weniger Lebensraum und sind auf Rückzugsorte wie die Franzigmark angewiesen. Mit etwas Glück lassen sich auch Neuntöter, Sperbergrasmücke oder Raubwürger beobachten, die von Hecken und Gebüschen aus ihr Revier überblicken. Auch die Gewässer der Franzigmark beherbergen bedrohte Arten: Bekassinen, über 25 Libellenarten, darunter die Keilfleck-Mosaikjungfer, und die eigentlich norddeutsche Binsenschneide, die hier besonders gut gedeiht.
Naturschutz durch Beweidung
Seit der Übernahme des Geländes setzt sich die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe für den Erhalt der Lebensräume ein. Schafe und Ziegen halten das Grasland offen und beweiden es naturschonend, wie es seit Jahrhunderten üblich ist. Diese extensive Nutzung verhindert die Verbuschung und bewahrt die artenreichen Trockenrasen. Größere Gehölze, Baumgruppen und Feuchtsenken bleiben als Lebensraum für Vögel und Amphibien erhalten. In den Stiftungswäldern greift keine forstwirtschaftliche Nutzung ein, sodass sich standortgerechte, naturnahe Laubwälder ungestört entwickeln können.
Franzigmark
Im Steckbrief erfahren Sie mehr zur Porphyrkuppenlandschaft der Franzigmark.










