Naturparadiese in Thüringen
Orchideenparadies Rothenstein

Nahe Rothenstein in Thüringen erstreckt sich das Schutzgebiet „Spitzenberg – Schießplatz Rothenstein – Borntal“. Das frühere Militärgelände fasziniert mit seiner weiten, steppenartigen Landschaft: sonnige Kalkhänge, blütenreiche Trockenwiesen, Weiden und lichte Wälder prägen das Bild. Jeden Frühsommer bestaunen Besucher hier eine beeindruckende Vielfalt heimischer Orchideen. Seltene und geschützte Tiere und Pflanzen finden in Runsen, Tümpeln, weiten Wiesen, offenen Schießbahnen, Hecken, Einzelgebüschen und lockeren Kiefernwäldern ihren Lebensraum. Seit vielen Jahren setzen sich der NABU Saale-Holzland-Kreis und die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe für den Erhalt dieses Naturparadieses ein.
Wegen der besonderen Schutzwürdigkeit sind seit 2003 rund 544 Hektar der ehemaligen Militärflächen bei Rothenstein unter Naturschutz gestellt. Zudem ist das Gelände aufgrund der europaweiten Bedeutung für die Vogelwelt als europäisches Vogelschutzgebiet sowie als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet geschützt.
Ein Orchideenparadies
Unsere heimischen Orchideen sind wahre Schönheiten und zeigen, wo die Natur intakt ist. Anders als ihre tropischen Verwandten wachsen die europäischen Arten auf dem Boden. Sie bevorzugen nährstoffarme Wiesen und lichte Wälder, die durch menschliche Nutzung entstanden sind. Jedoch reagieren Orchideen empfindlich auf eine intensive oder fehlende Bewirtschaftung und werden schnell von anderen Pflanzen verdrängt.
In Rothenstein hat sich über Jahrhunderte ein besonders reiches Orchideenvorkommen entwickelt. Auf den mageren, südexponierten Wiesen und in den lichten Wäldern blühen 32 gefährdete Pflanzenarten. Dazu gehören Bienenragwurz, Bocksriemenzunge, Brand- und Helm-Knabenkraut sowie Waldorchideen wie Gelber Frauenschuh, Weißes Waldvögelein und Waldhyazinthe.
Was lebt denn hier noch?
Viele aus der Kulturlandschaft verschwundene Arten finden heute in Rothenstein einen Rückzugsort. Wiesenblumen wie Gewöhnliche Küchenschelle, Gelbe Spargelerbse oder Pfirsichblättrige Glockenblume lassen die ehemaligen Militärflächen üppig erblühen. Auf den extensiv genutzten Magerrasen ziehen Bodenbrüter wie Wiesenpieper, Grauammer und Feldlerche ihre Jungen auf. Schwarzkehlchen, Braunkehlchen und Neuntöter wachen von den Hecken und Gebüschen aus über ihr Revier. Auch in den alten Buchen- und Eichenwäldern fühlen sich viele streng geschützte Arten wohl, darunter Schwarz- und Mittelspecht, Wendehals und Kleine Hufeisennase. Die temporär mit Wasser gefüllten kleinen Tümpel und Senken sind Lebensraum für zahlreiche Amphibien wie Bergmolch, Kammmolch und Gelbbauchunke.
NABU aktiv vor Ort
Früher bauten die Menschen hier Äpfel, Zwetschgen und Wein an. Von 1947/48 bis 1990 nutzten sowjetische Streitkräfte das Gelände für Panzer- und Schießübungen. Diese militärische Nutzung bewahrte die Wiesen vor Dünger und Pflanzenschutzmitteln, während sich Laubmischwälder und Kiefern fast ungestört entwickeln konnten. Seit 1991 kümmern sich ehrenamtliche Naturschützer um den Erhalt der Orchideenwiesen.
2007 erwarb die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe die ersten Flächen in Rothenstein vom Land Thüringen, um das Naturparadies dauerhaft zu bewahren. Heute stehen 315 Hektar des Naturschutzgebiets unter der Obhut der Stiftung. Den Großteil des Graslands halten Beweidung und Mahd offen. Vereinzelt werden Gehölze entnommen, wenn lichtliebende Blütenpflanzen durch zu starke Beschattung verdrängt werden. Die bewaldeten Hänge hat die Stiftung vollständig aus der Nutzung genommen, damit sie sich ungestört zu „Urwäldern von morgen“ entwickeln können. Vor Ort setzt sich der NABU Saale-Holzland-Kreis ehrenamtlich für den Orchideenschutz ein. Zehn bis zwölf Hektar mähen die Helfer vorsichtig von Hand. So sichern sie die Pflege der wertvollsten Orchideenstandorte und wissen, dass ihr Einsatz langfristig Wirkung zeigt.
Zu Besuch in Rothenstein
Entdecken Sie das Naturparadies - aber mit Rücksicht!
Feldlerche & Co. brüten in Rothenstein gut versteckt am Boden. Bei Störungen verlassen die Tiere fluchtartig die Nester, sodass Eier und Küken ungeschützt sind. Noch nicht aufgeblühte Orchideen werden leicht übersehen und zertreten. Bitte bleiben Sie deshalb auf den Wegen und leinen Sie Ihre Hunde an.
Rothenstein
Im Steckbrief erfahren Sie mehr über dieses Orchideenparadies in Thüringen.









