Vom Tagebaugelände zum Naturparadies

20 Jahre Wildnis

Seit 2003 überlässt die NABU-Stiftung ehemalige Tagebauflächen in Südbrandenburg einer weitestgehend ungestörten Wildnisentwicklung. Heute bietet das Naturparadies Grünhaus über 3.000 Arten eine Heimat. Zum 20. Jubiläum laden Rothirsch und Kranich zum Besuch ein.

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  • 4.8.2023
  • Brandenburg
  • Lesedauer: 3 Min.
Naturparadies Grünhaus
Der Blick auf das Mainzer Land heute.© Foto: Frank Leo/fokus-natur.de

4. August 2023 – Genau heute vor 20 Jahren fiel mit der Unterzeichnung des ersten Kaufvertrags der Startschuss für das NABU-Naturparadies Grünhaus in der Niederlausitz. Zwischen 2003 und 2006 erwarb die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe mit Hilfe von Spenden und Fördermitteln rund 1.930 Hektar des ehemaligen Tagebaugeländes südlich von Finsterwalde. Seither überlassen wir einen großen Teil des Gebietes der Natur und setzen uns für eine schonende Sanierung der Tagebauflächen ein. In den vergangenen Jahren übernahmen wir durch Kauf und Tausch weitere Flächen bei Finsterwalde und vergrößerten das Naturparadies auf rund 2.200 Hektar.

Heimat für Spezialisten und Pioniere

Über die Jahre eroberte die Natur die einstige Bergbauwüste bei Finsterwalde und verwandelte sie in eine abwechslungsreiche, wilde Landschaft. Schon nach wenigen Jahren siedelten sich auf den im Rahmen der Bergbausanierung gekalkten und eingesäten Böden Gräser, Ginsterheiden, Kiefern und Birken an. Mittlerweile sind über 450 Pflanzenarten heimisch, mit denen auch zahlreiche Insektenarten nach Grünhaus kamen. Über das ehrenamtlich durchgeführte Monitoring konnten wir bislang 167 Wildbienenarten, 173 weitere Stechimmenarten sowie 48 Tagfalter- und Widderchenarten nachweisen.

Die Bagger hinterließen auch offene Sandhalden, auf denen Pflanzen aufgrund des sauren Bodens nur sehr langsam wachsen. Für spezialisierte Tiere wie Sandohrwurm und Brachpieper bieten diese wertvollen Rohböden einen idealen Lebensraum. Aus den großen Kohlengruben entstand eine neue Seenlandschaft, die während des Vogelzugs Tausende Kraniche und Wildgänse zur Rast nutzen. Im Herbst können Sie auf geführten Wanderungen dieses Spektakel hautnah miterleben.

Über 90 Vogelarten nachgewiesen

Rund 90 Brutvogelarten haben inzwischen in Grünhaus eine neue Heimat gefunden. Die häufigsten Brutvögel sind mit Heidelerche, Feldlerche und Goldammer die Arten der offenen und halboffenen Landschaft. Auch der seltene Wiedehopf findet im insektenreichen Offenland ausreichend Nahrung und brütet mit über zehn Paaren in Grünhaus. Von der Wiederbesiedlung durch Gehölze und Bäume profitieren viele Waldarten wie Grauspecht, Kleinspecht und die seltene Waldschnepfe. Zudem fühlen sich Zwergtaucher, Rotschenkel und weitere Wasservögel an den kleinen Weihern wohl.

Stefan Röhrscheid
Dr. Stefan Röhrscheid
Projektleiter Naturparadies Grünhaus

Gemeinsam aktiv für Grünhaus

Das Naturparadies Grünhaus wird bei seiner Entwicklung zur Wildnis von zahlreichen Menschen unterstützt und begleitet. Werden Sie Grünhaus-Pate und bewahren Sie Ihren eigenen Hektar Wildnis in Grünhaus. So unterstützen Sie auch das Biomonitoring in Grünhaus, mit dem wir jedes Jahr die Wiederbesiedlung durch Tiere und Pflanzen verfolgen.
 

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