Naturparadiese in Brandenburg
Breitenteichsche Mühle

Nördlich von Angermünde in der Uckermark liegt das 147 Hektar große Naturschutzgebiet „Breitenteichsche Mühle“. Äcker, Wiesen und kleine Seggen- und Röhrichtmoore entlang der Welse prägen das sanft geschwungene Gelände. Einen besonderen Reiz stellen die verschilften Feuchtsenken und die wertvollen Trockenrasen dar, die für viele seltene Arten einen wichtigen Rückzugsraum darstellen.
Naturparadies unter Druck
So wachsen auf den sonnigen Trockenhängen farbenprächtige Blumen wie Ähriger Blauweiderich, Sibirische Glockenblume und das unscheinbare aber gefährdete Ohrlöffel-Leimkraut. Fischotter, Biber, Rotbauchunke und Kammmolch finden hier ausreichend feuchten Wohnraum, aber auch Schwarzstorch und Kranich nutzen die satten Wiesen zur Nahrungssuche. Die „Breitenteichsche Mühle“ ist deshalb nicht nur Teil des UNESCO Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin und des Nationalparks Unteres Odertal, sondern gehört auch zum europäischen Vogelschutzgebietes „Schorfheide-Chorin“.
Doch trotz der zahlreichen Schutzgebietsausweisungen sah das Gebiet bis vor wenigen Jahren noch ganz anders aus. Durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung entstanden großflächig Maiskulturen, die bis direkt an die empfindlichen Trockenhänge und Moorsenken bewirtschaftet wurden. 2010 übernahm die NABU-Stiftung große Flächen im Naturschutzgebiet unentgeltlich vom Bund. Jedoch musste sie bis zum Auslaufen der Pachtverträge im Jahr 2015 warten, um erste Gegenmaßnahmen einleiten zu können. Seither lässt sie mit Hilfe eines neuen Landnutzungskonzeptes das Gebiet wieder aufblühen.
NABU-Stiftung aktiv
Der Großteil der früheren Maisäcker wird heute als extensives Grünland genutzt. Das verbleibende Ackerland wird nach strengen ökologischen Vorgaben genutzt, indem beispielsweise auf den Einsatz von Pestiziden und Kunstdünger verzichtet wird. Zusätzlich wurden zwei Schutzäcker für Wildkräuter angelegt, auf denen seltene Arten wie Glänzender Ehrenpreis, Acker-Rittersporn oder Acker-Schwarzkümmel gedeihen dürfen. Für die Offenhaltung der Trockenrasen sorgen Schafe und kleine robuste Dexter-Rinder. Die zeitaufwendige Pflege wird über Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen ermöglicht.
Seit Herbst 2017 werden zwei stark zugewachsene und verlandete Wasserflächen wiederbelebt. Dazu wurden die Gewässer mit schonender Technik entschlammt und neue Flachwasserzonen sowie vielfältige Uferstrukturen geschaffen, um sie als hochwertigen Lebensraum für Rotbauchunke und Kammmolch zu sichern. Die 2019 durchgeführten Erfolgskontrollen zeigten, dass sich die Maßnahmen bewährt haben. Bis zu acht Amphibienarten wurden nachgewiesen, darunter auch Rotbauchunke und Kammmolch, die die revitalisierten Gewässer wieder zur Fortpflanzung nutzen. Langfristig könnte zudem die äußerst seltene Europäische Sumpfschildkröte profitieren, die bis 1990 noch in dem Gebiet vorkam. In Zukunft bemüht sich die NABU‑Stiftung, weitere Flächen in und an dem Naturschutzgebiet zu erwerben, um ihren Stiftungsbesitz sinnvoll abzurunden und die restaurierten Lebensräume dauerhaft zu schützen.
Breitenteichsche Mühle
Im Steckbrief erfahren Sie mehr über das früher landwirtschaftlich intensiv genutzte Gelände mit seinen Trockenrasen und Feuchtsenken.











