Naturparadiese in Mecklenburg-Vorpommern
Das Untere Recknitztal

Rund zehn Kilometer südöstlich von Ribnitz-Damgarten erstreckt sich das "Untere Recknitztal". Das Naturschutzgebiet bewahrt den Unterlauf der Recknitz, das umgebende Flusstalmoor und die steilen Talhänge. Das breite, vermoorte Tal, das sich mit seinen Fortsetzungen entlang von Trebel und Peene als Grenze zwischen Mecklenburg und Vorpommern zieht, bietet im Ostseeraum einen einzigartigen Lebensraum. Die Recknitz, die sich auf weiten Strecken naturnah durch das Tal windet, bildet mit ihren Altarmen die Lebensader des Schutzgebiets.
Hier hat der Schreidadler seine Ruhe
Über 100 Brutvogelarten, darunter seltene wie Schreiadler, Bekassine, Wachtelkönig und Blaukehlchen, leben hier. Wer das breite Talmoor durchstreift, entdeckt Orchideen, Trollblumen, Fieberklee, glitzernde Libellen und mit etwas Glück Biber oder Fischotter. Im Fluss leben zahlreiche Fisch- und Molluskenarten verborgen. Die alten Buchenwälder an den steilen Hängen kontrastieren mit dem weiten Grünland des Talmoors. Gut versteckt brüten Schreiadler in ungestörten Laubwäldern. Für die Versorgung ihrer Jungen jagen sie auf artenreichen Feuchtwiesen in Horstnähe nach Mäusen, Amphibien und anderen kleinen Beutetieren. Doch diese Lebensräume schwinden durch intensive Landnutzung. In Deutschland stagniert der Brutbestand seit einigen Jahren bei etwa 120 Brutpaaren, weil immer mehr geeignete Lebensräume durch die intensive Bewirtschaftung verloren gehen.
NABU-Stiftung aktiv an der Recknitz
Um das wertvolle Moor zu bewahren, engagieren wir uns seit Jahren an der Recknitz. 2010 übertrug die bundeseigene Gesellschaft BVVG der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe erste Hangwälder und Moorwiesen. Heute gehören rund 400 Hektar Flusstalmoor zur Stiftung.
Seit 2018 wird unsere Naturschutzarbeit vor Ort durch die Naturschutzstation in Gruel unterstützt. Für die Öffentlichkeit bietet die Naturschutzstation zudem eine spannende Dauerausstellung über den Naturraum Recknitztal. Eine wichtige Aufgabe der Projektmitarbeiter vor Ort wird die naturschutzgerechte Entwicklung der Feuchtwiesen im Rechnitztal. Hierfür richtete der Landkreis unter dem Dach der NABU-Stiftung den „Pflegefonds Unteres Recknitztal“ ein.
Unter unserer Obhut werden kräuterreiche Feuchtwiesen, dichte Laubwälder und naturnahe Flussufer auch in Zukunft das Landschaftsbild im Recknitztal prägen. Trotz Flussbegradigung, Entwässerung und intensiver Nutzung zählt das Moor entlang der Recknitz zu den wenigen weitgehend erhaltenen Flusstalmooren Mecklenburg-Vorpommerns. Hier jagen nicht nur Schreiadler, sondern auch bedrohte Arten wie Bekassine, Wiesenpieper, Wachtel und Schwarzkehlchen. Damit das so bleibt, schließen wir langfristig Entwässerungsgräben, um die Moorwiesen wieder ausreichend zu vernässen.
Dank Spenden erwarben wir 2017 rund 50 Hektar Moorwiesen an der Recknitz. Im Mai 2018 kamen weitere 4,6 Hektar hinzu, 2021 folgten etwa 15 Hektar Feuchtwiesen, Wälder und ungenutzte Flächen in direkter Nachbarschaft zu unseren Stiftungsflächen. Der Kauf der Wiesen ermöglicht uns, eine naturschonende Bewirtschaftung und konfliktfreie Anhebung der Grundwasserstände der Moorwiesen durchzusetzen. Moorwälder, Röhrichte und Gehölze dürfen sich ohne Eingriffe zu „Urwäldern von morgen“ entwickeln. Mit der Wiedervernässung profitieren nicht nur Schreiadler, sondern auch seltene Brutvögel wie Blaukehlchen, Bekassine und Kiebitz.
Unteres Recknitztal
Im Steckbrief erfahren Sie mehr über diesen einzigartigen Lebensraum im Ostseeraum.










