Naturparadiese in Thüringen
Der Bocksberg

Der Bocksberg ist Teil eines europäischen Fauna-Flora-Habitat-Gebietes und als Naturschutzgebiet auf nationaler Ebene geschützt. Auf dem Bocksberg wurde wahrscheinlich schon seit dem 18. Jahrhundert Dachschiefer zum Eindecken der Häuser unterirdisch abgebaut. Dabei entstand unter anderem der Stollen Rochsglück mit mehreren Abbauebenen.
Lebensraum für Mausohr & Co.
Bedrohte Arten wie Mopsfledermaus, Großes Mausohr, Bechsteinfledermaus und Kleine Hufeisennase leben hier. Im Stollen Rochsglück verschlafen rund 170 Große Mausohren sowie weitere acht Fledermausarten mit mindestens 400 Individuen die kalte Jahreszeit. Das Bundesamt für Naturschutz zählt daher den Stollen Rochsglück zu den hundert wichtigsten unterirdischen Fledermausquartieren in Deutschland. Ein Fledermausmonitoring zur Nutzung der Stollen als Schlafquartier und der Umgebung als Jagdrevier zeigte, dass einer der Stollen Bedeutung als Schwarmquartier besitzt und durch sieben Fledermausarten genutzt wird. Es gelangen neue Nachweise von Großem Abendsegler, Kleinem Abendsegler und Zwergfledermaus im Naturschutzgebiet.
Die in der Umgebung entstandenen Schieferschutthalden gehören mit ihren artenreichen Flechten- und Pioniergesellschaften zu den größten in Thüringen. Die bewaldete Fläche des früheren Bergwerks weist eine außergewöhnliche Artenvielfalt auf: Schwarz- und Grauspechte zimmern Höhlen in die Stämme hochwachsender Bäume, Zauneidechsen sonnen sich auf den Schieferfelsen, Türkenbundlilien gedeihen prächtig in den lockeren Böden. Auch für Insekten ist der Bocksberg ein wahres Paradies: Der Balkenbohrer und der Sägebock sind nur zwei gefährdete Käferarten, die hier leben.

Weg frei für Sanierung
Seit 2011 schützt die NABU-Stiftung gemeinsam mit dem NABU-Kreisverband Saalfeld-Rudolstadt ein bundesweit bedeutendes Winterquartier für Fledermäuse. Nach dem Kauf des zwölf Hektar großen Flurstücks mit vier teils verschütteten Stolleneingängen kümmerte sie sich im März 2011 mithilfe von Fördermitteln aus dem ENL-Programm des Freistaates Thüringen um die Sicherung der brüchigen Eingänge des ehemaligen Schieferbergwerks Rochsglück. Die Stollen wurden gegen Einsturz geschützt und fledermausfreundlich sowie einbruchsicher verschlossen.
Durch Waldumbau und Gehölzentnahmen fördert die Stiftung die Entwicklung standortheimischer Wälder. Gleichzeitig entstehen offene Flächen, die Fledermäusen als Jagdrevier dienen. So entfernte die NABU-Stiftung Fichtenjungwuchs und schuf sonnige Schieferhänge, die besonders in den Übergangszeiten wichtige Nahrungsbiotope bieten. Langfristig können sich hier Wälder mit Hainbuchen, Bergahorn und Rotbuchen entwickeln.



