Naturparadiese in Thüringen

Südhang Ettersberg

Nordwestlich von Weimar erstrecken sich am Südhang des Großen Ettersbergs weite blumenreiche Trockenrasen, Streuobstwiesen und Laubwälder. Seit 2017 sind große Teile des Naturschutzgebietes in Obhut der NABU-Stiftung. Mittlerweile schützt sie hier rund 290 Hektar für Sperbergrasmücke, Wendehals und Co.
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Südhang Ettersberg
2015 begann die NABU-Stiftung mit dem Kauf der ersten Hektar aus Kalkmagerrasen, Streuobstwiesen und Blumberger Wald am Südhang Ettersberg.© Foto: Klemens Karkow/NABU-Stiftung Nationales Naturerbe

Der Ettersberg nördlich von Weimar gehört zu den wertvollsten Offenlandschaften Thüringens. Seine südlichen Hänge mit Kalkmagerrasen, Streuobstwiesen, Hecken und kleinen Waldinseln bilden ein selten gewordenes Mosaik aus Lebensräumen. Jahrzehntelang diente ein Teil des Gebiets militärischen Zwecken, wodurch es weitgehend vor intensiver Landwirtschaft bewahrt blieb. Heute umfasst das Schutzgebiet über 400 Hektar und bietet ideale Bedingungen für wärmeliebende und spezialisierte Arten. Die Mischung aus offenen Trockenrasen, strukturreichen Übergängen und naturnahen Wäldern macht den Ettersberg zu einem Naturraum von außergewöhnlicher ökologischer Bedeutung.

Große Artenvielfalt am Ettersberg

Die große Artenvielfalt des Ettersbergs zeugt von der Qualität seiner Lebensräume. Über 500 Pflanzenarten wurden hier nachgewiesen, darunter seltene und streng geschützte wie die Bienen-Ragwurz, die Ästige Graslilie, der Kreuz-Enzian und der Fransen-Enzian, typische Vertreter der kalkreichen Trockenrasen. Auch die Tierwelt ist bemerkenswert: Mehr als 90 Vogelarten brüten oder rasten im Gebiet. Charakteristisch sind Arten wie Wendehals, Heidelerche, Grauammer, Raubwürger, Braunkehlchen und Wiesenpieper, die andernorts stark zurückgegangen sind, hier aber noch geeignete Lebensräume finden. In den Hecken und Gebüschen lebt zudem die seltene Sperbergrasmücke.

Die Insektenfauna ist nicht minder vielfältig. Der Himmelblaue Bläuling, eine europaweit geschützte Art, gilt als Leitart der Magerrasen. Hinzu kommen zahlreiche Tagfalter, darunter über 30 Großschmetterlingsarten, sowie eine beeindruckende Vielfalt an Wildbienen. Die Heuschreckenfauna umfasst 18 Arten, darunter die wiederentdeckte Gemeine Plumpschrecke. Auch Amphibien wie Kamm-, Teich- und Bergmolch sind hier heimisch – eine Besonderheit für ein Trockenrasengebiet. Diese Vielfalt unterstreicht die Bedeutung des Ettersbergs für den Schutz gefährdeter Arten.

NABU-Stiftung aktiv

Die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe und der NABU Weimar/Apolda setzen sich seit Jahren engagiert für den Schutz und die Pflege des Ettersbergs ein. Zwischen 2015 und 2017 erwarben sie mit Spenden und Fördermitteln rund 290 Hektar des Gebiets. Damit schufen sie die Grundlage, um die wertvollen Offenlandschaften langfristig zu sichern und die Waldflächen behutsam zu naturnahen „Urwäldern von morgen“ zu entwickeln.

Eine Schlüsselrolle spielt die extensive Beweidung durch einen örtlichen Schäfer, der seit über 20 Jahren mit seiner Herde dafür sorgt, dass die Trockenrasen offen bleiben und nicht verbuschen. Ergänzend dazu finden regelmäßige Pflegeeinsätze, Artenkartierungen und naturkundliche Führungen statt. Beim „Tag der Artenvielfalt“ 2016 dokumentierten über 50 Fachleute hunderte Arten und lieferten wichtige Daten für das Gebietsmanagement. Zudem bietet der NABU Weimar/Apolda Workshops wie Obstbaumschnittkurse an und unterstützt die Pflege der Streuobstwiesen und Hecken. Dieses Zusammenspiel aus Flächensicherung, fachlicher Betreuung und ehrenamtlichem Einsatz bewahrt den Ettersberg als lebendiges Naturparadies und wichtigen Baustein für den Erhalt der Artenvielfalt in Thüringen.

Südhang Ettersberg

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Im Steckbrief erfahren Sie mehr über das Naturschutzgebiet mit seinen blumenreichen Trockenrasen.

Franziska Hermsdorf
Franziska Hermsdorf
Schutzgebietsmanagement Thüringen, Sachsen

Weitere Beweidungsprojekte