Seltene Nachtfalter entdeckt

Von großen Spinnern und kleinen Eulen

Der NABU-Stiftungswald am Schenkenberg bei Weimar ist Heimat für viele seltene Waldbewohner. Im April 2026 kartierten Ehrenamtliche 46 Nachtfalterarten, darunter viele auf Eichen spezialisierte Arten wie den gefährdeten Eichen-Zahnspinner.

  • News
  • 8.5.2026
  • Thüringen
  • Lesedauer: 1 Min.
Nachtfalterkartierung Schenkenberg
In den lichten Eichenwäldern am Schenkenberg fühlt sich besonders der gefährdete Eichen-Zahnspinner wohl.© Foto: Patrick Helpap

8. Mai 2026 – Nachtfalter werden von künstlichem Licht magisch angelockt, weil sie es mit Mond und Sternen verwechseln, an denen sie sich beim Fliegen orientieren. Schmetterlingskundler machen sich dieses Verhalten zunutze, indem sie spezielle Lampen aufstellen und weiße Netze darüber spannen. Mit solch einem Leuchtturm und zusätzlichen Ködern erfassten die Ehrenamtlichen Patrick Helpap und Stefanie Just in einer Nacht Mitte April am thüringischen Schenkenberg fast 50 Nachtfalterarten. Dabei gingen ihnen viele Arten ins Netz, die alte Eichenwälder brauchen – ein Zeichen dafür, dass sich der NABU-Wald gut entwickelt. Seit 2015 schützt die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe im Naturschutzgebiet Schenkenberg fünf Hektar Laubmischwald und Kiefernbestände, die sie in artenreiche Naturwälder verwandelt.

Die gut getarnten Raupen des Eichen-Zahnspinners leben ausschließlich an Eichenblättern.© Foto: Nicola Glaser/www.naturgucker.de

Nachtfalter als wichtige Zeigerarten

Die unscheinbaren Nachtfalter sind für viele Pflanzen wichtige Bestäuber und Nahrung für Vögel und Fledermäuse. Außerdem sind sie gute Indikatoren für den Zustand von Lebensräumen, da Nachtfalter sehr empfindlich auf Umweltveränderungen reagieren. Zum Beispiel lebt der Eichen-Zahnspinner, wie sein Name verrät, vor allem in Eichenwäldern. Am Schenkenberg zählten unsere Ehrenamtlichen 18 Exemplare dieser großen Falter, deren Flügelspannweite über 60 Millimeter erreicht „Das sind richtige Brummer. Wenn sie unbeholfen ins Laub krachen, denkt man, ein Apfel sei vom Baum gefallen“, erzählt Patrick Helpap. Die grünen, gut getarnten Raupen fressen ab Mai an den Blättern von Trauben- und Stieleiche, die am Schenkenberg noch häufig wachsen. In Thüringen gilt der Eichen-Zahnspinner jedoch als gefährdet.

Viel Strukturreichtum am Schenkenberg

Unsere Ehrenamtlichen entdeckten neben dem Eichen-Zahnspinner auch die Rötliche Kätzcheneule und den Moosgrünen Eulenspinner – zwei weitere gefährdete Arten, die auf Eichen angewiesen sind. Unter den fast 50 Nachtfalterarten fanden sie zudem viele Laubwaldarten und einige wärmeliebende Offenlandarten wie die Schmalflügelige Erdeule, die die offenen Felshänge bevorzugt. Die Ergebnisse zeigen Patrick Helpap, dass der Stiftungswald mit seinen lichten Eichenbeständen, besonnten Felsen und Sträuchersäumen bereits eine hohe Strukturvielfalt bietet: „So wie es dort aussieht, werden sich auch die jungen Kiefernbestände noch entwickeln.“ Für dieses Jahr plant er noch weitere Falternächte, weil die vielen Spinner, Spanner und Eulenfalter zu unterschiedlichen Zeiten fliegen. Es bleibt also spannend, welche Nachtfalter noch im NABU-Wald am Schenkenberg entdeckt werden.

Franziska Hermsdorf
Franziska Hermsdorf
Schutzgebietsmanagement Thüringen, Sachsen