Naturparadiese in Niedersachsen
Das Theikenmeer

Das Theikenmeer ist eines der bedeutendsten Naturschutzgebiete Nordwestdeutschlands. Verschiedene Moorstadien, Waldstandorte und Grünland prägen sein Landschaftsbild. Besonders das Hochmoor, die artenreichen Feuchtwiesen sowie die offenen Wasserflächen machen das Theikenmeer zu einem einzigartigen Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen, die sich der Feuchtigkeit und der Nährstoffarmut im Hochmoor angepasst haben.
Wegen seiner Artenvielfalt sowie der als herausragend geltenden Renaturierung findet es auch international Beachtung. Das vor Jahrzehnten begonnene Projekt zur Wiedervernässung der Hochmoorflächen wird durch den NABU Werlte/Sögel und den NABU-Bundesverband umgesetzt. Die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe unterstützt das Projekt durch Flächenkäufe.
Einzigartiger Lebensraum mit besonderen Bewohnern
Da ein Hochmoor rein durch Regenwasser gespeist wird, hängt der genaue Umfang der Vernässung letztendlich vom Niederschlag und der Witterung ab. Mindestens 12 Hektar sind wohl die meiste Zeit des Jahres überstaut und bieten damit für Moorarten wie Rundblättriger und Mittlerer Sonnentau oder Torfmoose wertvollen Lebensraum. Auch Schmalblättriges und Scheidiges Wollgras sowie Orchideen wie das Breitblättrige Knabenkraut wachsen in der vielfältigen Landschaft.
Es profitieren aber nicht nur die Pflanzen von den Veränderungen im Theikenmeer, sondern auch die Tierwelt reagiert positiv. Erfreuliche Beispiele sind das verstärkte Auftreten von Hochmoorlibellen wie der Kleinen und der Nordischen Moosjungfer sowie der Frühen Heidelibelle, die auf der Roten Liste gefährdeter Libellenarten stehen. Auch die mehrzähligen Bruten von Bekassine, Blaukehlchen, Kiebitz, Krick- und Löffelente sowie Waldwasserläufer weisen darauf hin, dass die Maßnahmen die Lebensräume deutlich verbessert haben. Mit seinen ausgeprägten Flachwasserbereichen bietet das Theikenmeer außerdem einen guten Rastplatz für ziehende Wasservögel.
NABU und NABU-Stiftung aktiv
Das Theikenmeer war früher stark geschädigt. Durch Entwässerung, Gülle aus der Landwirtschaft und Torfabbau trocknete das Moor aus, 1977 verschwand die Wasserfläche sogar vollständig und Birken überwucherten große Bereiche. Anfang der 1980er begann der NABU, besonders die Gruppe Werlte/Sögel, mit der Renaturierung und kaufte nach und nach Flächen an, um das Moor zu schützen.
Da Hochmoore wie ein „Wasserdom“ über dem Grundwasser liegen, ist ihre Wiedervernässung technisch anspruchsvoll. Am Theikenmeer wurden deshalb gezielt Verwallungen und Grabenverschlüsse angelegt, deren Standorte zuvor durch Moorpeilungen bestimmt wurden. Wo Eigentümer nicht zustimmen, versucht die NABU-Stiftung, die Flächen zu erwerben, um Konflikte zu vermeiden, über 61,5 Hektar befinden sich Stiftungsbesitz.
2010 wurden rund 20 Hektar wiedervernässt, 2013 folgten weitere 25 Hektar. Dafür mussten zunächst Birken entfernt und anschließend Verwallungen aus Schwarztorf gebaut werden. Die Maßnahmen ermöglichen neues Torfwachstum und durch Grabenverschließungen kann der Wasserpegel ansteigen.
Ein intaktes Moor speichert große Mengen CO₂, was sich positiv auf das Klima auswirkt. Ein Gutachten zeigt, dass ohne Wiedervernässung im Theikenmeer langfristig rund 435.600 Tonnen CO₂ freigesetzt würden. Dort, wo die Wasserstände nicht ausreichend angehoben werden können und weiterhin Birkenaufwuchs und die Ausbreitung von Pfeifengras drohen, sorgt eine kontinuierliche Mischbeweidung mit Schafen und Ziegen für den Erhalt der typischen Moorvegetation.
Theikenmeer
Im Steckbrief erhalten Sie weitere Informationen zu einem der ältesten und bedeutendsten Naturschutzgebiete in Niedersachsen.









