Naturparadiese in Mecklenburg-Vorpommern
Der Nonnenhof an der Lieps

In Mecklenburg-Vorpommern südlich der Stadt Neubrandenburg erstreckt sich eine idyllische Landschaft: der Lieps See mit der Halbinsel Nonnenhof sowie angrenzende Wälder, Moore und Feuchtwiesen. Das rund 1.000 Hektar große Naturschutzgebiet „Nonnenhof“ ist besonders für seine artenreiche Vogelwelt bekannt. Die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe bewahrt über die Hälfte des Gebiets, um die urigen Naturwälder zu schützen sowie artenreiche Moorwiesen wieder entstehen zu lassen.
Heimat für 170 Brutvogelarten
Insgesamt wurden bislang 222 Vogelarten nachgewiesen, von denen bis zu 170 Arten im Naturschutzgebiet brüten. An den von Schilf- und Binsenröhrichten bewachsenen Ufern des Sees finden Brutvogelarten wie das Blaukehlchen Unterschlupf. Für See- und Fischadler bietet der Lieps See zudem reichlich Nahrung. Bekassine, Kiebitz und weitere bedrohte Wiesenvögel brüten auf den wenig genutzten Feuchtwiesen. Auch der scheue Schwarzstorch ist ab und zu im Nonnenhof auf der Suche nach Nahrung unterwegs. Während der Zugzeit rasten zudem tausende Saat- und Blässgänse im Gebiet. Der vom Aussterben bedrohte Fischotter lebt ebenfalls in und an der Lieps.
Die Renaturierung der Moore schafft neue Lebensräume: Kiebitz und Co. finden wieder Nahrung und können erfolgreich brüten. Gleichzeitig reduziert die Wiedervernässung klimaschädliche Gase und schützt so das Klima. Auf nährstoffarmen Wiesen, die durch extensive Bewirtschaftung entstanden sind, wachsen Wildkräuter neben Gräsern. Diese bieten Schmetterlingen und anderen Insekten reichlich Nektar. Von diesem Insektenreichtum profitieren seltene Wiesenvögel wie Grauammer, Braunkehlchen und Heidelerche. Um diese Arten in der intensiv genutzten Kulturlandschaft zu erhalten, vernetzt die NABU-Stiftung seit 2022 wertvolle Wiesenbiotope. Auf ehemaligen Ackerflächen werden regionale Wildpflanzen ausgesät, die blütenreiche Wiesen entstehen lassen.
NABU-Stiftung aktiv
Seit 2006 ist die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe im Nonnenhof aktiv und schützt Wald, Moor, Wiesen und Ackerland. Die Stiftungswälder dürfen sich ungestört zu „Urwäldern von morgen“ entwickeln. Feuchtwiesen werden von lokalen Landwirten naturnah bewirtschaftet, um bedrohten Wiesenvögeln Lebensraum zu bieten. An der Lieps entstehen große, artenreiche Wieseninseln als Trittsteinbiotope. Nach der Wiedervernässung wird die landwirtschaftliche Nutzung des Moorgrünlands an die höheren Wasserstände angepasst.
Im März 2023 erwarb die NABU-Stiftung 53 Hektar Acker- und Grünland außerhalb des Naturschutzgebiets. Diese Flächen erweitern den Schutzraum um den Nonnenhof. Erste Erfolge zeigen sich: Auf einer schonend bewirtschafteten Ackerfläche kehrten Ackerwildkräuter, Feldlerchen und Grauammern zurück. Sogar der Ruf der seltenen Wachtel ist wieder zu hören. Im November 2024 wurde mit Unterstützung des Insektenschutzfonds auf acht Hektar Acker regionales Saatgut ausgebracht. Langfristig wird eine Wanderschäferei die Wiesen beweiden und so die Samen der Wildpflanzen verbreiten. Die Entwicklung der Artenvielfalt wird durch botanische Kartierungen und ein Tagfalter-Monitoring dokumentiert.
Im Sommer 2025 erwarb die NABU-Stiftung weitere 98 Hektar Land östlich der Lieps. Ackerland wird hier in extensiv genutzte Flächen umgewandelt, auf denen Wildkräuter zwischen locker gesätem Getreide wachsen können. Auf 20 Hektar intensiv genutztem Grünland werden Wiesenkräuter ausgesät werden, um die Blüten- und Insektenvielfalt zu fördern.
Wiederbelebung der Moore
Vor der landwirtschaftlichen Nutzung als Grünland gab es am südlichen Ufer der Lieps ein über Jahrtausende herangewachsenes Moor, das große Mengen Kohlenstoff speicherte und vielen speziellen Arten einen Lebensraum bot. Hier haben wir im Winter 2022/2023 mit Hilfe von Spenden die ersten rund 23 Hektar trockengelegte Moorflächen wiederbelebt. So entstehen neue Lebensräume für Amphibien wie Kammmolch oder Moorfrosch, Libellen sowie Nahrungsgewässer für Fischotter. Das Material für die Grabenverschlüsse gewinnen wir an Stellen, wo der Moorboden unwiederbringlich vertrocknet ist.
Im angrenzenden Ziemenbachtal arbeiten wir aktuell daran, weitere 60 Hektar Wiesen und Moorwald wieder mit Wasser zu versorgen. Unterstützen Sie uns dabei mit Ihrer Spende!
Nonnenhof
Im Steckbrief erfahren Sie mehr über dieses vielfältige Schutzgebiet bei Neubrandenburg.














