Naturparadiese in Hessen
Wildnis Laubacher Wald

Wildnisgebiete sind weitgehend unzerschnittene und ausreichend große Gebiete, in denen sich die Natur ohne direkten menschlichen Einfluss entwickeln kann. Damit sichern diese Gebiete nicht nur eine Vielfalt an Arten und Lebensräume, sondern auch wichtige Ökosystemleistungen wie saubere Luft. Wildnisgebiete tragen zum Klimaschutz bei und helfen uns zu verstehen, wie die Natur sich an verändernde Umweltverhältnisse dynamisch anpasst. Außerdem bieten sie einen Ort des Naturerlebens und ein Gegengewicht zur genutzten Kulturlandschaft.
1.200 Hektar Waldwildnis in Hessen
Deutschland hat sich in der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt das Ziel gesetzt, zwei Prozent der Landfläche als großräumige Wildnisgebiete zu sichern. Als „Waldland“ verfügt Deutschland über große Potenziale bei unzerschnittenen Waldflächen. Im hessischen Vogelsberg liegen zwei große Waldflächen des Landesforstes, die bereits ohne forstwirtschaftliche Nutzung sind. Mit Mitteln des Bundes erwarb die NABU-Stiftung 2020 und 2023 die Nutzungsrechte für 224,5 Hektar Privatwald bei Laubach und 176 Hektar im Stadtwald Hungen, um auch hier den Holzeinschlag einzustellen. Gemeinsam mit den staatlichen Arealen entsteht so eine über 1.200 Hektar große Waldwildnis im hessischen Bergland, in der keine Holznutzung mehr stattfindet und die sich frei nach ihren eigenen Gesetzen entwickeln darf.
Der Laubacher Wald ist zum großen Teil durch naturnahe Buchenwälder geprägt, die sich mit kleineren Fichtenbeständen und Flächen mit Eichen und anderen Laubhölzern abwechseln. Über 80 Prozent der Bäume sind älter als 120 Jahre und bieten durch das hohe Alter bereits gute Voraussetzungen für eine schnell einsetzende natürliche Waldentwicklung. So besiedeln die ersten Baumpioniere kleinere Freiflächen, auf denen Fichten durch Käferfraß, Sturm- und Trockenschäden abgestorben sind.
Hohe Artenvielfalt
Diese „Urwälder von morgen“ bei Laubach besitzen schon heute eine hohe Artenvielfalt. Zahlreiche europäisch geschützten Tier- und Pflanzenarten sowie Arten in besonderer Verantwortung Deutschlands sind im Laubacher Wald beheimatet, dazu zählen Bechsteinfledermaus, Schwarz-, Grau- und Mittelspecht sowie Grünes Besenmoos. Aufgrund seiner europaweiten Bedeutung ist das Waldgebiet als Teil des Europäischen Vogelschutzgebietes „Vogelsberg“, Teil des Naturschutzgebiets „Langder Wald und Silbachtal“ sowie als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet „Laubacher Wald“ geschützt. Zudem ist das Projektgebiet frei von technischen Infrastrukturen und öffentlichen Verkehrswegen. Um das Wildnisgebiet auch künftig zu erweitern, führt die NABU-Stiftung Gespräche mit angrenzenden Waldbesitzern.
Laubacher Wald
Im Steckbrief erfahren Sie mehr über das Wildnisgebiet und seine hohe Artenvielfalt.

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