Tiere und Pflanzen in Grünhaus
Hotspot für seltene Insekten und Spinnen

Hohe Vielfalt an Tagfaltern
Die blütenreichen Offenflächen, Besenginsterheiden und Waldränder im Naturparadies Grünhaus bieten zahlreichen Schmetterlingen eine Heimat. Rund 50 Tagfalterarten leben hier. Dazu gehören viele gefährdete und spezialisierte Arten, die hohe Ansprüche an ihren Lebensraum stellen. Der vom Aussterben bedrohte Eisenfarbige Samtfalter bewohnt die offenen, trockenwarme Sandstandorte und legt seine Eier bevorzugt am Silbergras ab, einer in Grünhaus häufigen Pionierpflanze. Auch weitere wärmeliebende Arten wie der stark gefährdete Segelfalter oder der Kurzschwänzige Bläuling besiedeln erfolgreich die junge Bergbaufolgelandschaft.
Von Eulen, Spannern und Bärchen
Unter den rund 500 Nachtfalterarten in Grünhaus finden sich ebenfalls viele Raritäten, darunter die extrem seltene Malveneule. Lange Zeit galt sie in Deutschland als ausgestorben, doch seit 2013 gibt es wieder Nachweise. Im Sommer 2025 entdeckte man ein Exemplar auch im Naturparadies Grünhaus. Diese trockenheits- und wärmeliebende Art bevorzugt Bracheflächen und Magerrasen und findet hier gute Bedingungen zum Leben. Weitere seltene Nachtfalter in Grünhaus sind der gefährdete Steppenheiden-Grünspanner, der blütenreiche Magerrasen besiedelt, und das Vierpunkt-Flechtenbärchen, dessen Raupen sich von Flechten an Bäumen ernähren. Auch der gefährdete Große Gabelschwanz wurde in Grünhaus entdeckt. Als Raupe schreckt er Fressfeinde mit schwarzen Scheinaugen und Gabeln am Hinterleib ab.
Stachelige Flugkünstler im Paradies
Grünhaus bietet für Wespen und Wildbienen ein vielfältiges Blüten- und Nistplatzangebot. Die Sandflächen und das Totholz in den naturnahen Wäldern nutzen viele solitär und gesellig lebender Arten für den Nestbau. Auf den Trockenrasen blühen verschiedene Pollen- und Nektarpflanzen, die Wildbienen das ganze Jahr über als Nahrung dienen. Bislang wurden rund 150 Wespen- und 140 Bienenarten in Grünhaus nachgewiesen, darunter spezialisierte Arten wie die Schwarzbürstige Blattschneiderbiene. Sie nistet in morschem Holz und ernährt sich ausschließlich von Schmetterlingsblütlern. Auch der Bienenwolf, eine räuberisch lebende Grabwespe, und die seltene Goldwespenart Chrysis iris, deren Larven sich in Nestern anderer Wespenarten oder von Wildbienen entwickelt, finden in Grünhaus beste Bedingungen.
Flinke Jäger auf Sandböden
In Grünhaus leben rund 100 Laufkäferarten, die vor allem offene Sandflächen und Sandtrockenrasen besiedeln. Darunter finden sich seltene Arten wie der Feld-Dammläufer und der Feld-Sandlaufkäfer, deren Lebensräume in Deutschland immer mehr verschwinden. Auch der extrem seltene Natterläufer wurde hier entdeckt – in Brandenburg wurde er in den letzten 100 Jahren nur ein einziges Mal zuvor nachgewiesen. An den Ufern der Tagebauseen tummeln sich weitere Raritäten: der vom Aussterben bedrohte Wiener Sandlaufkäfer, der sonst auf Sandbänken naturnaher Flussauen jagt, und der Schwarzhörnige Rotstirnläufer, der bis vor wenigen Jahren in Brandenburg als verschollen galt.
Weitere seltene Funde
Heimat für echte Chamäleons und falsche Marienkäfer
Bisher sind rund 180 Webspinnenarten in Grünhaus nachgewiesen, darunter viele gefährdete, wärmeliebende Arten wie die Kräuselspinne Lathys stigmatisata und die Krabbenspinne Thomisus onustus. Letztere lebt auf blütenreichen Sandtrockenrasen, wo sie auf Blüten gut getarnt lauert, um anfliegende Insekten zu fangen. Auch die stark gefährdete Rote Röhrenspinne, die sonst nur auf Wärmeinseln wie dem Kaiserstuhl vorkommt, fühlt sich in Grünhaus wohl. Sie gräbt gut getarnte Röhren in den Sandboden, in die sich Laufkäfer und andere Insekten verirren. Der Hinterleib der männlichen Röhrenspinne ähnelt in Größe und Färbung einem übelschmeckenden Marienkäfer und schützt sie so vor Fressfeinden.
Artenvielfalt im Blick
Jedes Jahr beobachten und dokumentieren Ehrenamtliche mit standardisierten Kartierungen die Entwicklung der Tier- und Pflanzenwelt in Grünhaus. Das Biomonitoring wird durch die Unterstützung unserer Grünhaus-Paten und -Patinnen und den Mineralquellen Bad Liebenwerda ermöglicht. Daneben ergänzen Auftragsstudien und studentische Abschlussarbeiten die Erfassung von speziellen Artengruppen.

















