Paradies für kleine Spezialisten, große Kämpfer und viele Gäste
Die Bagger hinterließen karge Sandböden, auf denen Pflanzen nur langsam gedeihen. Doch für spezialisierte, wärmeliebende Insekten wie Wildbienen, Laufkäfer, Sandohrwürmer und Heuschrecken entstanden wertvolle Lebensräume. Auf den im Zuge der Bergbausanierung gekalkten und eingesäten Flächen wuchsen schon nach wenigen Jahren Gräser, Ginsterheiden sowie Kiefern und Birken. In den jungen Wäldern sammeln sich im Herbst Rothirsche für ihre Brunftkämpfe. Die großen Kohlegruben verwandelten sich zu einer Seenlandschaft, die während des Vogelzugs tausende Kraniche und Wildgänse anzieht. Regenwasser schuf zahlreiche Tümpel, die seltenen Amphibien und Wassertieren Lebensraum bieten. Diese Vielfalt an Lebensräumen spiegelt sich auch in einer besonders artenreichen Vogelwelt wider.
Wilde Schönheiten in der Bergbauwüste
Bislang sind drei Orchideenarten in Grünhaus heimisch: der Breitblättrige Stendelwurz, das gefährdete Helm-Knabenkraut und die seltene Bienenragwurz. Letztere kommt vor allem in Baden-Württemberg, Thüringen, Südniedersachsen und Saarland vor, aber profitiert als wärmeliebende Art zunehmend vom Klimawandel. Ehemalige Tagebauflächen bieten solchen spezialisierten Orchideen wertvolle Ersatzlebensräume.

Selten und ungenießbar: Pilze in Grünhaus
In Grünhaus gibt es rund 390 Pilzarten. Besonders häufig wächst hier der Gemeine Erbsenstreuling, der typisch für die Bergbaufolgelandschaft ist. Mit etwas Glück findet man auch die Kleinsporige Wiesenkeule, die in Brandenburg bisher nur zweimal nachgewiesen wurde. Der seltene Nelkenförmige Warzenpilz gedeiht in Grünhaus auf den kargen Sandböden und in den Kiefernwäldern besonders gut. Pilzsammler sollten jedoch diese Arten meiden, denn sie sind nicht nur ungenießbar, sondern auch in ihrem Bestand gefährdet.
Wolfsland Grünhaus
Das Naturparadies ist Heimat eines kleinen Wolfsrudel, dass seit 2015 in Grünhaus siedelt. Die Bergbaufolgelandschaft bietet aufgrund der Größe und zahlreichen Sperrzonen optimale Voraussetzungen, um störungsfrei Welpen aufzuziehen. Viele Wildschwein, Rehe und Rothirsche bieten zudem gute Nahrungsbedingungen. Doch in den letzten Jahren erschwerten auch Krankheiten und vermutlich illegaler Beschuss das Überleben der Welpen.
Artenvielfalt im Blick
Jedes Jahr beobachten und dokumentieren Ehrenamtliche mit standardisierten Kartierungen die Entwicklung der Tier- und Pflanzenwelt in Grünhaus. Das Biomonitoring wird durch die Unterstützung unserer Grünhaus-Paten und -Patinnen und den Mineralquellen Bad Liebenwerda ermöglicht. Daneben ergänzen Auftragsstudien und studentische Abschlussarbeiten die Erfassung von einigen Artengruppen.
Steckbrief
Naturparadies Grünhaus
Im Steckbrief erfahren Sie mehr über die Entwicklung des Naturparadieses Grünhaus, einem 2.200 Hektar großen ehemaligen Tagebaugebiet in Südbrandenburg.














